In Über den Schlachten entwirft Romain Rolland eine leidenschaftliche, zugleich nüchtern argumentierende Intervention gegen den geistigen und moralischen Zusammenbruch Europas im Ersten Weltkrieg. Die Essays diagnostizieren mit großer Klarheit die Verblendungen des Nationalismus, die Bereitschaft der Intellektuellen zur Kriegslegitimation und die Zerstörung einer gemeinsamen europäischen Kultur. Stilistisch verbindet Rolland essayistische Präzision mit pathetischer Humanität; sein Ton ist anklagend, doch nie blind polemisch. Im literarischen Kontext steht das Werk zwischen politischer Publizistik, moralphilosophischer Reflexion und pazifistischer Weltliteratur der Moderne. Rolland, 1866 geboren, war nicht nur Romancier und Dramatiker, sondern auch ein europaweit orientierter Intellektueller, dessen Denken von Musik, Geschichtsbewusstsein und ethischem Universalismus geprägt war. Als Nobelpreisträger für Literatur und genauer Beobachter der geistigen Strömungen seiner Zeit schrieb er dieses Werk aus der Erfahrung einer Epoche, in der Künstler, Gelehrte und Staaten in wechselseitige Feindbilder verfielen. Seine Distanz zum chauvinistischen Furor und sein Beharren auf geistiger Redlichkeit erklären die Entschiedenheit dieses Buches. Zu empfehlen ist Über den Schlachten allen, die die ideengeschichtlichen Erschütterungen des frühen 20. Jahrhunderts verstehen wollen. Wer nach einer sprachlich eindringlichen und intellektuell verantworteten Verteidigung des Humanismus sucht, wird in diesem schmalen, aber außerordentlich dichten Band ein bis heute herausforderndes Dokument finden.