Die Museumsbesucher in Florenz schwindelt es. Überwältigt von der Schönheit der Uffizien oder des Palazzo Pitti, leiden sie unter Desorientierung, Herzrasen und Angstzuständen, sie werden 'kunstkrank': Derartige psycho-physische Bildwirkungen beobachtet Ende der 1980er Jahre die Psychiaterin Graziella Magherini. Sie prägt dafür den Begriff »Stendhal-Syndrom«.
Dieses Phänomen ist keineswegs neu: Kunst hat seit jeher verletzt und geheilt, schockiert und getröstet, war religiöses Vorbild und Versprechen irdischen Glücks. Beispiele solch starker Reaktionen auf Bilder sind vielfältig - und haben ihre je eigene Geschichte.
Von überwältigenden ästhetischen Gefühlen erzählt Bernd Stiegler in neun historischen Fallstudien: Sie reichen von Pilgerreisen zu wundertätigen Bildern im Mittelalter, vom gemeinsamen Weinen vor anrührenden Gemälden im 18. Jahrhundert bis hin zur Begegnung mit Schockfotos und Op-Art im 20. Jahrhundert.
Ein ebenso originelles wie anregendes Buch über die mal kollektive, mal intime Faszination von Bildern - und was sie über die Wünsche ihrer Betrachter verrät.