Abseits spekulativer Diskurse um die Potenziale und Gefahren künstlicher Intelligenz nähert sich Richard Groß nüchtern und empirisch dem Gegenstand seiner Studie und untersucht Anwendungen maschinellen Lernens in Kunst und Wissenschaft in Form einer ethnografischen Fallstudie. In seinen Analysen experimenteller Praktiken zeigen sich grundlegende Probleme wie auch produktive Strategien im Umgang mit KI. Der Band bietet vielseitige Einblicke in komplexe soziotechnische Praktiken rund um maschinelles Lernen und trägt damit zu einem realistischen Verständnis eines schillernden Phänomens bei.
Der Einbruch der modernen »Zivilisation« in Algerien war nirgendwo spürbarer als in den Städten. Pierre Bourdieu hat den irritierenden Umgang mit ihren »Segnungen« - Supermärkte, Messen, Unterwäschegeschäfte, Zeitungsleser, Motorräder, Tischfußball - in einer kaum überschaubaren Reihe von Fotografien festgehalten. Insbesondere der vestimentäre Code spielt hier eine entscheidende Rolle: Bei den Männern koexistieren traditionelle Kleidung und »moderne« Formen, während bei der weiblichen Bekleidung eine massive Tendenz zur Verschleierung erkennbar wird - eine vermeintliche »Islamisierung«, die nichts anderes ausdrückt als die Scheu einer traditionellen Geschlechterrolle vor einer »fremden« Öffentlichkeit.